VII. Generation


1922 - 1974 Bernhard Ottensmann und Ludmilla Heinrichsmeier und Elisabeth Erdmann

Heirat
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Hochzeitsfoto von Bernhard und Ludmilla Ottensmann 1922

Im Alter von 24 Jahren heiratete am 4. 7. 1922 in Wadersloh der Landwirt und Holzschuhmachermeister Bernhard Ottensmann die 12 Jahre ältere, am 26. 8. 1886 in Ackfeld geborene, Ludmilla Heinrichsmeier, die Haushälterin seines Vaters, die noch die Geschwister von 1915 bis 1922 erzogen hatte.
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Der Meisterbrief von Bernhard Ottensmann als Holzschuhmacher von 1936
Kinder

Mit Ludmilla hatte Bernhard Ottensmann 5 Kinder, die sämtlich neue Familien begründeten.
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1.   25. 06. 1923 Hermann
2.   31. 10. 1924 Josef, + in Stromberg am 24. 7. 1996
3.   21. 04. 1926 Catharina
4.   28. 11. 1927 Werner
27. 06. 1929 Hedwig

Das Holzschuhmacherhandwerk
Das Holzschuhmacherhandwerk hatte früher eine große Bedeutung, da die meisten Menschen auf dem Lande meist keine Lederschuhe, sondern eben Holzschuhe trugen, die viel billiger herzustellen waren.

Die Bedeutung dieses Handwerks wird auch durch den Verband der Holzschuh- und Pantoffelmacher e. V. in Berlin deutlich, der in den 30er Jahren ein eigenes Verbandsorgan herausbrachte daß seit 1936 gleichzeitig als „Amtliches Organ der Reichsfachgruppe des Holzschuh- und Pantoffelmacher-Handwerks im Reichsinnungs-Verband des Schuhmacher-Handwerks“ in Berlin, Helgoländer Ufer 5, fungierte. Das Blatt erschien alle 14 Tage und war mit seinen Inseraten das Bindeglied zwischen Fabriken, Holzlieferanten, Zubehör, Halbfertigprodukten und den einzelnen Handwerkern.

Heute werden kaum noch Holzschuhe produziert. Aber die Volkskundler beschäftigen sich inzwischen mit dem Objekt „Holzschuh“. So brachte der Heimatverein Vreden ein umfangreiches Buch über „Holzschuhe und Holzschuhmacherhandwerk im westlichen Münsterlande“ heraus.
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Unsere alte Werkstatt
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Ausschnitt aus einer Zeitschrift von 1935
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Auch die plattdeutsche Heimat-Dichtung beschäftigte sich mit dem Holzschuhmacher:

Holzschuhmacher

Guott siänge dat Handwiärk! Guott siönge de Kunst!
Ick häwwe de Ähre, ich häwwe de Gunst
Dat Waoßelske Handwiärk to repräsentärn
Un Ju en Paar däftige Holsk´ to vöährn.
Ut Waoßelske Pöppln, kummandig im licht,
Patänt, aohne Aöste, akkerat van Gesicht
Se walr´Jähr de Föte vüör Kölle un Fuorst,
De Källe giff Asthma un Domp uppe Buorst
Män Wiärmde döht sachte, is Lawsal füört Hiärtt,
Un dat nese Künnigin hännig vögätt
De Suorge des Aolldags un alle Beswär
Dat sie uese Wunsk - is uese Begähr!

Neue Maschinen
1935 wurde durch die Anschaffung neuer Maschinen die Holzschuhmacherwerkstatt zur modernsten in Wadersloh. Viele ältere Holzschuhmacher waren nicht für neue Maschinen. Wenn der Großvater noch gelebt hätte, wäre eine solche Maßnahme nicht möglich gewesen.
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Eine Konstruktionszeichnung der Maschine

Die Konstruktionszeichnungen der Maschinen und die Arbeitsanweisungen für die Fertigung eines Modellschuhs, das Verkürzen oder Verlängern und das Bohren sind erhalten geblieben.
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Bernhard, Josef und Hermann Ottenamann an der 1935 angeschaften Maschine

In einem Fotobericht von Wolfgang Müller aus dem Jahre 1977 über Hermann Ottensmann als einem der letzten Holzschuhmacher in Westfalen werden noch einige Daten genannt: 390 Paar Holzschuhe werden 1977 zum Preis von 11 DM für Endverbraucher oder 8 DM für die Schuhläden der Umgebung produziert und verkauft. Getragen werden sie hauptsächlich von Bauern bei der Feldarbeit, aber auch vereinzelt noch von Arbeitern, die mit ätzenden Flüssigkeiten oder Lacken in Berührung kommen, denn Holzschuhe sind einfach viel unempfindlicher wie jeder Lederschuh.
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2 Paar Stiefelhozschuhe

Arbeitsabläufe der Holzschuhmacher

Wolfgang Müller beschreibt in seinem Bericht die einzelnen Arbeitsgänge. Die Arbeit des Holzschuhmachers beginnt mit dem Markieren und Zersägen des Stammes in gleichgroße Blöcke, die von der Schuhgröße 49 als der größten ausgehen. Dann werden die Blöcke mit dem Beil gevierteilt und anschließend mit der Kreissäge zu viereckigen länglichen Klötzen zurechtgeschnitten.

An der Kopier- und Bohrmaschine werden zwei Arbeitsgänge auf einmal erledigt. Auf der linken Seite wird der rechteckige Block eingespannt und von einer von links nach rechts wanderenden rotierenden Messern in Holzschuhform abgeschlagen. Auf der rechten Seite wird gleichzeitig die noch massive Holzschuhform ausgehölt. Anschließend werden mit dem Klotzmesser die Ecken vorne und hinten abgerundet.

Die nach der maschinellen Ausbohrung noch sehr rauhen Innenflächen des Holzschuhes müssen danach per Hand mit verschiedenen Messern „nachgeputzt“ , d. h. geglättet werden. Die Kanten werden dann auf der Zugbank geglättet. Mit der Schleifmaschine wird dem Holzschuh dann der letzte Rundumschliff verpaßt. Damit der Fuß genügend Halt hat und auch zur Zierde, wird im letzten Arbeitsgang  ein Lederaufsatz angenagelt.

Vom abgeholzten, rohen Baumstamm bis zum fertigen Holzschuhpaar benötigte Hermann Ottensmann ungefähr eine Stunde.

Auf den nächsten Seiten werden die einzelnen Arbeitsabläufe zur Herstellung eines Paar Holzschuhe gezeigt.
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Tod der Mutter
Am 1. Dezember 1938 starb im Alter von nur 52 Jahren die Mutter Ludmilla an Magen- und Darmkrebs und hinterließ ihren Mann mit den 5 Kindern im Alter von 9 - 15 Jahren. Da bereits 1939 der Krieg begann und Bernhard beim Polenfeldzug in einer Nachschubeinheit eingesetzt war, wurde die 2. Ehe erst mitten im Kriege geschlossen.

II. Ehe
Mitten im 2. Weltkrieg heiratete am 22. 9. 1942 in Wadersloh der Soldat und Witwer Bernhard Ottensmann die am 11. 10. 1901 in Wadersloh-Basel Nr. 13 geborene Elisabeth Erdmann. Aus dieser Ehe wurden keine Kinder geboren. Aus ihrem Nachlaß ist noch ein Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Münster erhalten, daß sie Weihnachen 1935 geschenkt bekam.
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Hochzeitsfoto von Bernhard und Elisabeth Ottensmann

Soldaten im 2. Weltkrieg
Bereits am 29. 8. 1939 wurde Bernhard Ottensmann, der ja bereits im Frühjahr 1918 als Artillerist am 1. Weltkrieg teilgenommen hatte, zum Polenfeldzug eingezogen. Nach Ende des Feldzuges war er zwar kurz wieder zu Hause, dann ging es erst nach Vochem ins Rheinland, bis dann 1940 der Feldzug nach Frankreich begann. In Frankreich blieb er dann bis 1945, wo er noch zum Volkssturm eingezogen werden sollte. Weil 3 seiner Söhne aber bereits im Kriege waren, wurde dies nicht mehr durchgeführt.
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Bernhard Ottensmann im zweiten Weltkrieg

Der Sohn Hermann wurde am 17. April 1942 im Alter von 19 Jahren in die Wehrmacht einberufen und kam nach der Grundausbildung für ein Vierteljahr nach Italien und dann zum Afrika-Korps. Am 9. Mai 1943 kam er in amerikanische Gefangenschaft. Über Tunis kam er nach Konstatin in Algerien. Von dort aus 5 Tage mit dem Zug nach Casablanca. Dort hatte er einen Aufenthalt von 14 Tagen in der Meerenge von Gibralta. Dann ging es mit einem Gefangenenschiff über Schottland, New York nach Louisiana in Amerika, wo er bis Februar 1946 blieb. Der weitere Weg ging wieder über New York, Le Havre zum Lager Wernet in die Pyrenäen nach Frankreich. Erst im Herbst 1948 wurde er entlassen.
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Hermann Ottensmann als Soldat im zweiten Weltkrieg

Tod der Eheleute
32 Jahre nach seiner 2. Eheschließung starb Bernhard Ottensmann am 19. 11. 1974 in Bornefeld Nr. 3 im Alter von 76 Jahren. Seine Witwe überlebte ihn um 17 Jahre und starb im gesegneten Alter von fast 90 Jahren am 9. Oktober 1991 in Wadersloh.

Das Haus in Valhaus Nr. 59 (Nr. 7) und der Grundbesitz

Am 26. 8. 1918, also bereits 4 Jahre vor seiner Ehe hat Bernhard Ottensmann ein Grundstück, (Flur 8, Nr. 255) von den Ewald Schulze Brexel, Valhaus Nr. 26 gekauft.

Das von seinem Vater Christoph 1915 geerbte Haus hat Bernhard Ottensmann mit Vertrag vom 19. 7. 1926 an den Kriegsinvaliden Wilhelm Altebäumer verkauft
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Eine alte Flurkarte von 1880 mit den Grundstücken von Wilhelm Ottensmann und seinem Sohn Christph..

Mit Kaufvertrag vom 4. 2. 1924 kaufte er dann noch von dem Mühlenbesitzer Franz Rhode zu Bornefeld noch einige Grundstücke in der Gesamtgröße von 1 ha, 13 a und 48 qm. Der Kaufpreis betrug 15.000 Goldmark. Darauf war sofort 1/5 anzuzahlen. Die darauf befindliche in den Jahren 1857-1859 projektierte und gebaute Mühle war bereits seit 1923 außer Betrieb.
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Die alte Mühle von Wilhelm Suerland 1857 gebaut und 1924-1926 von Franz Rohde und Bernhard Ottensmann abgebrochen.

Eine weitere wichtige Neuerung war die 1941 für den Hausbrunnen angelegte Wasserpumpe, die die bis dahin gebrauchte Handpumpe ablöste.
1946, nach dem 2. Weltkrieg baute Bernhard Ottensmann eine neue Holzschuhmacherwerkstatt auf der anderen Straßenseite, wo früher die Mühle stand, um die 1935 angeschafften Maschinen sachgerecht aufstellen zu können. Sie wurde mit Eiern, Hühner, Wurst, Gänsen und anderen Lebensmitteln bezahlt, da die Reichsmark keinen Wert mehr hatte.
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Die Holzschuhmacherwerkstatt gebaut 1946.

Heiraten  und Lebensweger der Kinder

Der älteste Sohn Hermann Ottensmann setzte durch seine Heirat mit Hedwig Löppenberg die direkte Linie fort.

Der 1924 geboren Sohn Josef heiratete1952 Antonia Sinnerbrink aus Stromberg.Aus dieser Ehe gingen 6 Kinder hervor.Er war ebenfalls Holzschuhmacher und wurde im Herbst 1942 zur Wehrmacht eingezogen und blieb bis zum Kriegsende in Frankreich. Danach kam er bis 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Von 1945 - 1949 arbeitete er in der elterlichen Holzschuhmacherei, 1949 - 1951 bei der Molkerei in Wadersloh. Ab 1951 arbeitete er bis zu seiner Rente als Schreiner bei der Firma Stemich in Stromberg.
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Josef Ottensmann als Soldat im 2.Weltkrieg

Werner, * 1927,heiratete 195  Gertrud Clasvorbeck aus Gütersloh.Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor.Einmal sogar Zwillinge.Er wurde 1944 zur Flack nach Münster eingezogen. Diese Truppe wurde dann nach Rußland verlegt. Kurz vor Kriegsende kam er in russische Gefangenschaft, aus der er 1945 floh. Ab 1946 lernte er in Benteler bei der Firma Katthöfer den Beruf des Schmiedes. Weiter war er dann noch bei den Firmen Ebbinghaus in Herzfeld, Westfalia-Melkmaschinen in Oelde, Aschebrenner Getränkebecken aus Süddeutschland. Die Firma Miele in Gütersloh war seine letzte Arbeitsstelle, bevor er seine Rente bezog.